Wasserkühlung

Leider ist mir bei meinen ganzen Render Aufgaben einer der beiden Hauptlüfter ausgefallen. So denke ich. Das hatte zur Folge das sich das Gehäuse aufgeheizt hat, das Mainboard stur weiter gemacht hat. Irgendwann, so denke ich hat das Mainboard versucht den Rechner abzuschalten, hat aber offensichtlich nicht geklappt.

Als ich nach Hause kam waren alle Lüfter auf gefühlten 2000% und der ganze Rechner hat geglüht. Wie in einem Backofen. Alle Schutzmaßnahmen, mit denen geworben wird, haben versagt. Durch die Bank.

Ende vom Lied … 2 x GTX 780 Schrott, beide GPUs durchgebrannt. Das Mainboard hat 4 Lanes zur Southbridge verloren. Netzwerkkarte und paar USB Slots tot. CPU und Speicher einwandfrei.

Also habe ich auf Wasserkühlung gesetzt.

Ich habe dazu sehr viel gelesen, alle Vor- und Nachteile versucht abzugleichen. Mich mit allen „Standards“ vertraut gemacht und mich endlose Nächte bei diversen Anbietern nach Preisen erkundigt. Ich kann euch sagen, das ist alles ganz großer Mist. Jeder suppt dort seine eigene Köche und alle meinen was anderes …

Ein internes System verbraucht intern ein Haufen Platz und ist nicht wirklich erweiterbar. Für Maschinen mit einer CPU und einer Grafikkarte mag das OK sein. Aber wenn man aber flexibel sein möchte, stellt man sehr früh fest: Intern ist nicht geeignet. Also bleibt nur eine externe Lösung. Dann habe ich mal etwas geforscht und nicht wirklich super viele Externe Wasserkühlungen gefunden. Zumindest bleibt nur eine über die scheinbar auch meinen Ansprüchen gerecht wird. Also habe ich mit der mal geplant.

Ein weiteres Problem ist der Kühlkreislauf. Ich will gerne einzelne Komponenten austauschen können, ohne den Rechner in Kühlwasser zu ersaufen. Da habe ich lange gesucht. Aber ich habe was gefunden. Schnellverschlüsse. Die Dinger sind richtig teuer, halten aber was sie versprechen. Ich habe jede Komponente nun mit Schnellverschlüssen versehen. Ich bin nun in der Lage den Kühlkreislauf zu verändern und auch einzelne Komponenten kann ich nun sorgenfrei einfachen Umbauen und aus dem Kühlkreislauf nehmen. Die Schnellverschluss Variante kostet viel Geld und man braucht intern viel Platz, aber wenn man es tut ist das unbezahlbar. Es lohnt sich wirklich.

Der Umbau der Grafikkarten ist eigentlich vollkommen einfach, das einzige was sich anscheinend als unlösbar herausgestellt hatte ist, welcher Block passt auf welche Karte. Es scheint mehrere „Referenz“ Boards zu geben. Da muss man echt aufpassen. Ich habe hier ein Block und eine GTX liegen, wo es nicht passt. Aber wenn es passt, ist der Umbau in einer Stunde fertig. Leider waren gerade keine Wasser gekühlten Grafikkarten auf Lager, so das ich mir welche mit Lüfter geholt habe und die dann selbst umgebaut habe. Preislich kommt es in etwa auf das gleiche raus.

Wenn man dann alles zusammen geschraubt hat, was durchaus etwas dauert, kommt dann das fine-tuning. Meine externe Lösung hat ein 3-fach Radiator und selbst wenn die Lüfter nicht laufen kühlt er doch schon etwas runter. Im Idle läuft kein einziger Lüfter im Kreislauf. Die Maschine ist – mal abgesehen vom Mainboard Lüfter und Netzteil Lüfter – die Ruhe selbst. Es ist schon komisch, mein Netzteil am alten Monitor macht zur Zeit mehr Krach.

Das Fine Tuning ist ein langwieriger Prozess. Man muss ständig die Parameter anfassen und dabei immer relativ lange Warten bis sich das System einpendelt. Wenn ich Crysis 1 spiele, was die erste Grafikkarte bis zum Anschlag ausreizt (2560×1600 16AA Sehr Hoch) ist das System nun so geeicht, das es hin und wieder ganz kurz mal die Lüfter am Radiator startet. Das reicht vollkommen aus. Solange man nur eine Grafikkarte und eine CPU hat, könnte man das System sogar fast ohne Lüfter laufen lassen. Crysis 1 ohne Krach zu spielen ist unbezahlbar. Gleiches gilt für FurMark Benchmark. Kein Mucks macht die Kiste. Auch FluidMark (PhysX) ist ohne Ton 🙂

Kompliziert wird es wenn man dann richtig Dampf auf den Kessel gibt. Eine Wasserkühlung ist sehr träge, das kann gefährlich werden, wenn man viele Komponenten drin hat. Tun alle zur gleichen Zeit komische Sachen, wird es schlagartig sehr warm. Bevor aber der Radiator das runter kühlen kann, läuft die warme Suppe wieder in den Rechner. Man bekommt dadurch ein weiteren Temperatur Anstieg, bis es dann wieder kühler wird. Da muss man etwas aufpassen, startet man die Lüfter zu spät, kann es ein Problem werden. Durch das Kühlmittel, was irrsinnig viel Wärme speichern kann, wird dieser Effekt noch träger als er sowieso schon ist. Man muss unbedingt Burn-In – mit allen Komponenten zeitgleich – Tests machen für mindestens 30 Minuten oder länger, um ein Konstantes Verhalten zu erreichen, an dem man dann Optimierungen machen kann. Das nervt etwas, aber nun ja …

Ich komme aber zum Schluss: Es ist geil 🙂 Das System ist nun irrsinnig leise. Bei normalen Spielen ist das Ding nicht zu hören. Wenn er eine Fluid Simulation berechnet höre ich nun auch nichts mehr. Und wenn das Geschoss nun anfängt über alle GPU’s zu rendern, dann geht die Temperatur nicht über 55°C (alle Komponenten). Nur durch die LED Farbe (so eine geile Spielerei am externen Wasserkühler) sehe ich das überhaupt was passiert. Die Farbe geht dann ins Grün/Rote 🙂

Es ist nicht billig das ganze System. Ich habe bei den ganzen Kleinkram (Schnellverschlüsse, Schlauch, Kühlmittel, Muffen, Schrauben, Winkel, Bla) den Überblick verloren. Aber ich muss sagen das sich das System richtig gelohnt hat. Angenehme Ruhe beim Arbeiten und beim Zocken. Überhaupt kein Vergleich zu diesen ganzen „Silent-Lüfter“ Scheiß den die Hersteller ständig den Leuten verkaufen wollen. „Silent“ sind die Dinger nur im abgeschalteten Zustand …

Wer aber auch intensive CUDA Anwendungen benutzt (Flow, Rendering) und mehrere Karten hat und sich etwas über den Krach im Büro ärgert, sofern er keine Farm hat, den kann ich das nur empfehlen 🙂 Man kann auch mehrere Rechner in ein Kreislauf bringen, ich werde demnächst mein zweiten Rechner mit in den Kreislauf nehmen.

Wer also eine fette Rendering Kiste umbauen will, aber kein Bock hat sich mit den „Standards“ zu beschäftigen … Fragt mich einfach mal … Wenn der Klotz groß ist und ich Zeit habe, findet sich bestimmt eine Gelegenheit 🙂